Es ist höchste Eisenbahn, unsere Vielfalt im Artikel 3 des Grundgesetzes zu schützen.

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Offener Brief von railbow, dem Mitarbeitendennetzwerk der Deutschen Bahn                                            

Sehr geehrte politische Entscheidungsträger:innen, sehr geehrte Verantwortliche in Wirtschaft und Gesellschaft,sehr geehrte Führungskräfte, 

Der mutmaßlich geplante Anschlag auf den CSD Berlin hat viele Menschen erschüttert. Er macht deutlich: Hass gegen queere Menschen ist keine abstrakte Gefahr. Er richtet sich gegen Menschen, die sichtbar leben wollen und gegen die Werte unserer Demokratie.

railbow setzt sich für eine bunte Deutsche Bahn und eine vielfältige Gesellschaft ein. Wir stehen für Respekt, Chancengerechtigkeit und die Überzeugung, dass jeder Mensch unabhängig von seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität sicher, sichtbar und gleichberechtigt leben können muss.

Die Deutsche Bahn verbindet täglich Millionen Menschen. An Bahnhöfen, in Zügen und an unseren Arbeitsplätzen begegnet uns die Vielfalt unserer Gesellschaft. Sie ist Realität, Stärke und Voraussetzung für ein respektvolles Miteinander.

Die Bedrohung queerer Menschen ist längst keine theoretische Debatte mehr. Der mutmaßlich geplante Anschlag auf den CSD Berlin zeigt auf erschreckende Weise, dass Menschen auch heute wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Ziel von Hass, Einschüchterung und Gewalt werden. Wenn der gesellschaftliche Ton rauer wird und demokratische Grundwerte unter Druck geraten, reicht Sichtbarkeit allein nicht mehr aus. Vielfalt braucht Schutz. 

Wer Grundrechte schützen will, muss sie dort verankern, wo sie den stärksten rechtlichen Schutz entfalten: im Grundgesetz. Als Mitarbeitendennetzwerk fordern wir daher die ausdrückliche Aufnahme der sexuellen und geschlechtlichen Identität in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes.

Diese Forderung ist nicht neu. Sie wird seit Jahren von Verbänden, Unternehmen, Gewerkschaften, Wissenschaft und Teilen der Politik unterstützt. Neu ist die Dringlichkeit. Die gesellschaftliche Realität hat ihre Notwendigkeit längst bestätigt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen gibt es keinen überzeugenden Grund mehr, diesen Schritt weiter zu verzögern.

Die Erweiterung des Grundgesetzes würde den Schutz jener Menschen stärken, die auch heute noch Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt erfahren. Eine ausdrückliche Aufnahme der sexuellen und geschlechtlichen Identität in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes würde nicht nur den verfassungsrechtlichen Schutz stärken. Sie wäre zugleich ein unmissverständliches Bekenntnis unseres Staates zur Würde, Gleichwertigkeit und Freiheit aller Menschen und ein klares Signal, dass Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität in unserer Gesellschaft keinen Platz hat.

Im Rahmen unserer Schirmherrschaft des 33. CSD Dresden hat railbow diese Forderung bereits öffentlich unterstützt. Heute erneuern wir sie mit Nachdruck.

Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, die Erweiterung von Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes auf den Weg zu bringen und abzuschließen. Demokratie zeigt ihre Stärke im Handeln und konkretem Schutz für diejenigen, die ihn benötigen.

Wir fordern eine Gesellschaft, in der alle Menschen mit ihren unterschiedlichen Facetten willkommen sind – am Bahnhof, im Zug, am Arbeitsplatz und überall dort, wo Menschen zusammenkommen. Wer unsere Demokratie schützen will, muss auch diejenigen schützen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität angegriffen oder benachteiligt werden. Die Aufnahme dieser Merkmale in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes wäre daher kein bloßes Symbol, sondern ein klares Bekenntnis unseres Rechtsstaats zur Würde, Gleichwertigkeit und zum Schutz aller Menschen.

 

Berlin, 30. Juli 2026railbow, Mitarbeitendennetzwerk der Deutschen Bahn